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Kein Poltern ohne Alkohol

03.05.2012 | Keine Kommentare
Heutzutage sind Polterabende vor alle ein Vorwand für zukünftige Ehepaare, um noch einmal so richtig mit den besten Freunden „die Sau rauszulassen“ - mit lustigen Spielchen und mit noch mehr Alkohol. Ursprünglich wurde am Polterabend viel Porzellan zerbrochen, denn Scherben sollen ja bekanntlich Glück bringen.

VON DORIS SEEBACHER

„Game over“ - diesen oder ähnliche Sprüche wie „Highway to hell“, oder „Last night in freedom“  sieht man am Polterabend oft auf T-Shirts von zukünftigen Brautleuten zu lesen.  foto by doris seebacher

„Game over“ - diesen oder ähnliche Sprüche wie „Highway to hell“, oder „Last night in freedom“ sieht man am Polterabend oft auf T-Shirts von zukünftigen Brautleuten zu lesen. foto by doris seebacher

Peinliche Verkleidungen, Spendensammeln mit lustigen Aktionen in der Fußgängerzone oder in Lokalen - eines haben Polterabende fast immer gemeinsam: Alkoholkonsum in rauhen Mengen. Vor allem junge Paare lassen sich den Spaß nicht nehmen, den Abschied vom Junggesellendasein so feuchtfröhlich wie nur möglich zu gestalten.

„Borat-Anzug“ und

15-kg-Eisenkugel

Mit einem verschmitzen Lächeln denkt Anton an seinen Junggesellenabend zurück, den sein bester Freund für ihn organisiert hatte. Bereits am frühen Nachmittag wurde er von seinen Freunden mit einem eigens geschmückten Traktor abgeholt. Nach der ersten Stärkung - natürlich einem Schnapserl - musste er sich in einen knappen „Borat-Schwimmanzug“ hineinzwängen. So verkleidet fuhr der Traktor samt Anhänger und 14 partylustigen Jungs zuerst durch Antons Heimatstadt und weiter bis hinauf auf eine Selbstversorgerhütte am Schneeberg, wo dann bis in die Morgenstunden am Lagerfeuer gefeiert wurde. „Ich wollte nicht einfach durch irgendwelche Lokale ziehen, wo es laut ist und man sich irgendwann aus den Augen verliert“, erklärt Anton diese Entscheidung für eine urige Berghütte.

Aber nicht nur den „Borat-Anzug“ musste er den ganzen Abend tragen. Auch eine Kette mit einer 15 Kilogramm schweren Eisenkugel wurde ihm am Bein befestigt - als Vorgeschmack auf das „Gefängnis Ehe“.

Seine zukünftige Frau Patricia hatte es ein bisschen einfacher. Sie musste - „nur“ als Krankenschwester verkleidet - „Penis- und Busenkekse“, die ihre Freundinnen für sie gebacken hatten, in der Fußgängerzone verkaufen.

Mit Damenbinde am Hirn

Kondome verkaufen

Anderer Schauplatz - ähnliche Situation. Jutta hat in Gmunden gepoltert. „Ich musste verkleidet in einem Dirndl mit Gummistiefel, Perücke und Kopftuch durch die Fußgängerzone laufen“, erinnert sie sich. Am peinlichsten für sie war dabei eine zum Glück unbenutzte Damenbinde, die ihr die Freundinnen auf die Stirn hefteten. „Das sah ziemlich grauslich aus“, lacht Jutta im nachhinein. So verkleidet musste sie Kondome, Tampons und kleine Schnapsflascherl an Passanten, hauptsächlich an junge Männer, verkaufen. Der Reinerlös wurde natürlich gleich an Ort und Stelle in Flüssiges umgesetzt und “vernichtet”.

Zur selben Zeit feierte ihr zukünftiger Ehemann Peter in Linz Abschied von seinem Junggesellendasein. Auch er wurde von seinen Freunden peinlich angezogen - mit weißen Tennissocken, neonfärbigen Flipflops, kurzer Hose und Hawaihemd. Aber das war noch nicht alles: Obendrein gipsten ihm seine Kumpels auch noch die rechte Hand ein - praktisch gleich in Trinkerpose und mit „eingebautem“ Bierkrug. Angebunden an die Pestsäule musste er dann zum Gaudium vorbeikommender Passanten ein paar Liedchen singen.

Stripperin, nicht für die Braut -

und Männer, die sich drücken

Einen Polterabend, der beinahe die Hochzeit platzen ließ, hatten Brigitte und Klaus. Gemeinsam feierten sie im Garten mit allen Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen gleichzeitig. Der Abend verlief feuchtfröhlich und entspannt, bis um Mitternacht. Dann kam - als Überraschung für Klaus - eine Stripperin. Arbeitskollegen von ihm hatten für diese Überraschung “zusammengelegt”. Klaus, schon ziemlich angetrunken, fand es toll, und auch die Gäste schauten interessiert zu, als sich die junge, schlanke Dame immer mehr ihrer Kleider entledigte und sich zu guter Letzt - nur mehr mit Slip - auf Klaus Schoß räckelte. Nicht so toll jedoch fand es Brigitte und die „Vorstellung“ wurde abgebrochen. Verheiratet sind sie heute trotzdem noch glücklich.

Martin aus dem Salzkammergut hat sich vor seinem Polterabend regelrecht gefürchtet und sich deshalb auch gleich davor gedrückt. Denn: Ein beliebter Brauch aus seiner Heimat Bad Ischl ist das sogenannte „Kreuzigen“. „Der Bräutigam wird dabei an ein Kreuz gebunden herumgetragen und bekommt den ganzen Abend Alkohol eingeflößt“, so Martin. Er habe dabei auch schon von Saufgelagen bis zur Bewusstlosigkeit und sogar von Todesfällen gehört, weil es die Polterrunde mit dem Alkohol übertrieben hätte.

Geheiratet hat Martin trotzdem - auch ohne Polterabend. Und den Brummschädel am Tag danach hat er sich auch erspart.

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